INTERVIEW: 
Alex Alexander von Alexander & Associates Corporate Art Consultant spricht mit Pygoya (Juni 2003) 

Alex: Sind Sie der erste Digitalkünstler auf Hawaii? Wann haben Sie damit angefangen, wie sah Ihr digitaler Prozeß
über die Jahrzehnte des Experimentierens hin aus?

Pygoya: Ich bin der erste Digitalkünstler, der seine Bilder auf Hawaii ausgestellt hat. Larry Lovett, auch ein
Künstler, brachte 1984 die ersten professionellen Computer-Graphiksysteme nach Hawaii. Von 1985 bis 1986
bezahlte ich für Benutzerzeit und Unterstützung bei seiner Gesellschaft "Digital Associates". Larry nahm später an
Ausstellungen teil, die ich als Galeriebesitzer und Direktor organisierte. 1986 kaufte ich den Amiga 1000 und fing
an, mit meinem eigenen System kreativ tätig zu werden.

Von Anfang an wollte ich mit meinem PC Bilder erschaffen, die andere als "Schöne Kunst" oder einfach "Kunst"
ansehen würden und nicht einfach nur als die neueste Computergraphik. Da ich zufällig zu Beginn der
PC-Revolution damit angefangen habe, hält meine Arbeit einerseits die Bemühungen eines "ernsthaften" Künstlers
fest, in diesem neuen Medium durch Erfahrungen und technologischen Fortschritt zu wachsen.; andererseits
dokumentiert sie die graphischen Fähigkeiten der Computer seit 1985. Dabei änderten sich die Herausforderungen
im Einklang mit den technologischen Fähigkeiten. In den achtziger Jahren war ich zum Beispiel fasziniert vom
"Pixelismus". Damals vergrößerte ich visuell absichtlich die elektronischen Pixel als integrales Element des Mediums.
Das wurde aber als niedrige Auflösung und Begrenzung der elektronischen Palette kritisiert und galt als Grund und
Rechtfertigung dafür, dass digitale Bilder keine "Kunst" seien. In Wirklichkeit bestand die Herausforderung aber
darin, derart bescheidene graphische Hilfsmittel zu benutzen und zugleich die Begrenzung durch die
Bildschirmdarstellung in überzeugende "schöne Kunst" zu verwandeln.

Ein neu erworbener Doktortitel in Kunstpsychologie (1980) gab mir die Mittel und das Selbstbewusstsein zu
verkünden, dass das, was ich erschuf, tatsächlich schöne Kunst war. Es war ein langwieriger Kampf mit den
Medien – Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen –, um die öffentliche Einstellung der "Computerkunst" gegenüber zu
verändern. Währenddessen genoß ich die Gelegenheit, Forscher zu sein, und versuchte ständig, die Einstellung
sowie die Reaktionen der Öffentlichkeit und der Institutionen gegenüber meinen Werken zu beurteilen.

Es war wie ein Katzensprung von 16 Farben zu 16,2 Millionen, und für mich fühlte sich das sehr schnell an wie
chromatische Überlastung. Das Medium leidet heute immer noch unter den intensiv grellen und bunten Arbeiten
von weniger erfahrenen Anwendern digitaler Mittel. Über die Jahre hin hat sich meine Lieblingspalette von Farben
auf einen Kern von Erdtönen reduziert, und ich fühle mich im Spektrum von schwarz, braun und grau ganz zu
Hause.

Es gab auch Zeiten, in denen ich über die Stränge schlug. Zum Beispiel experimentierte ich einmal mit anderen
Künstlern als "menschliche Drucker", um riesige Gemälde aus den ursprünglichen Bildschirmentwürfen zu erstellen.
Und dann habe ich einen Palast gebaut, der eher wie ein Museum für "Cyberbilder" als ein gemütliches Wohnhaus
für eine Familie wirkte (es gab 40 versenkte tracklights – Deckenleuchten-).

Alex: Wie sieht Ihre digitale Palette aus?

Pygoya: Die Farben sind nicht so intensiv wie am Anfang, als die Möglichkeiten noch begrenzter waren. Aber
selbst bei größerer Auswahl neige ich mehr zu gedämpften Farbtönen und schwäche die Intensität der grellen und
satten Farben ab, um andere visuelle Elemente hervorzuheben, die mir interessanter erscheinen und dadurch auch
meine Persönlichkeit besser reflektieren, weil sie Zweideutigkeit, Komplexität und Paradox vermitteln. Für mich sind
grelle Farben in meinen Kompositionen wie scharfe Gewürze. Ein Übermaß wirkt auf mich im gegenwärtigen
Lebensabschnitt abstoßend. Vielleicht ist dies auch eine Überreaktion auf jahrzehntelange Bombardierung meiner
Retina mit strahlenden, phosphoreszierenden Photonen. Jetzt neige ich ganz natürlich dazu, sanfte und weniger
grelle Farben zu wählen wie ein Maler, der mit matten Pigmenten arbeitet. Dunkle Farbtöne helfen mir ferner dabei,
die Illusion von Tiefe zu erzeugen, besonders im Kontrast zu gesättigten und strahlend warmen Akzenten wie rot
und gelb.

Alex: Wie wird digitale Kunst Ihrer Meinung nach in der Welt der Unternehmer aussehen?

Pygoya: Ich versuche in den meisten meiner Arbeiten ein Gleichgewicht von Ying und Yang herzustellen zwischen
dem physischen Medium (Computergraphik, Bildgestaltung mit Licht) und meiner Ausbildung und meinem Feingefühl
für tatsächliche (konventionelle) Bilder. Ich habe einen Meistertitel in Malerei und Zeichnen und habe nie meine
Zuneigung zu natürlichen Pigmenten und meine Liebe für Strukturen verloren, wie beispielsweise das Gewebe einer
Leinwand und die Fasern in asiatischen Wasserfarbenpapieren. Ich hatte auch eine enge Beziehung zu
Bronzeskulpturen, gemischten Medien, Photographie und Keramik. Noch heute finden all diese Erfahrungen meiner
Vergangenheit ihren Zugang und Platz innerhalb meiner digitalen Kunst.

Stellen Sie sich nun einmal in den vielen Ebenen des digitalen Mediums dieses Potpourri visueller Effekte vor. An
den Unternehmerwänden spiegelt das die Tradition, was Kunst einmal war, aber jetzt findet man zugleich die
Frische eines Mediums, das das Informationszeitalter geboren hat. Das läßt ein Unternehmen zeitgemäß erscheinen
und macht es zu einem führenden Unternehmen in der Wahl, wie es seinen Geschmack zum Ausdruck bringt und
wie es seine Identität innerhalb des gegenwärtigen kulturellen Kontextes wählt.

High-Tech-Firmen können ihre Produkte, Leistungen und Identitäten nahtlos in Kunstwerke integrieren, die aus
ähnlichen technologischen Prozessen stammen. Doch bin ich auch selektiv, damit meine Werke leichter zu
akzeptieren sind und auch für die zu genießen sind, die Technologie hassen und die vergangene Antike vorziehen.
Ich sehe meine Arbeit als Brücke zwischen zwei Welten oder sich verändernden Zeitaltern, die Unternehmer
anwenden können, um als Unterstützer der Tradition aber auch als Förderer neuer Formen zeitgenössischer Kunst
aufzutreten. Wenn man dann noch die Dimensionen von Wandmalerei und Macht, Erfolg und unbegrenztes
Wachstum dazunimmt, so verbinden sich diese Merkmale mit der öffentlichen "Persona" des jeweiligen
Unternehmens. Die Größe spielt eine Rolle und hilft dabei, das Unternehmen als führend auf seinem jeweiligen
Gebiet zu kennzeichnen.

Alex: Wie steht es mit Ihrer Fähigkeit, großformatige Bilder für riesige Wände herzustellen wie die Eingangshallen
von Unternehmen und Hotels?

Pygoya: Ich kann meine Bilder in beliebiger Größe herstellen! Das gibt mir die Flexibilität, nicht nur die physische
Größe der Bilder zu variieren, sondern auch die Preise. Ich biete limitierte Auflagen von inkjet prints
(Tintenstrahldrucken) in archivierbarer Qualität an, aber auch handgemalte Ölbilder in der Größe von
Wandgemälden. Um ein Wandgemälde in der Größe von sagen wir einmal 4,50 m x 3 m in allen Details des digitalen
Bildes zu malen, würde ich etwa ein Jahr benötigen. Deshalb arbeite ich bei solchen großen Aufträgen mit anderen
Künstlern zusammen, behalte aber immer die Kontrolle über den Prozeß und garantiere beste Qualität. Für mich
persönlich ist der Lohn nicht so sehr das Geld als vielmehr die Genugtuung zu sehen, wie meine aus intelligentem
Licht geborene Vision zur Blüte gelangt in einer Größe, die überwältigt und einen Raum dominiert, der vor der
Installierung des monumentalen Kunstwerkes steril und nüchtern wirkte.

Alex: Was begeistert Sie als Künstler?

Pygoya: Abgesehen von der Größe? Hmm, das Gefühl, ein Zauberer zu sein, der tatsächlich Magie erzeugen kann,
die wahrnehmbar und anfaßbar ist, Kunstwerke, die vom flüchtigen Spektrum des Lichtes abgeleitet sind. Was mich
auch begeistert ist die Erkenntnis, dass der Erfolg meiner digitalen Geplänkel die gleiche Vorstellungskraft und
Offenheit erfordern wie in meiner Jugend, als ich als Junge im Gras lag und nach Formen natürlicher Objekte in den
Wolken suchte und beobachtete, wie sie sich auf ihrer Reise durch den Himmel umformten. Auch heute noch warte
ich gespannt auf die Formen, die aufgrund von Befehlen auftauchen, die der Software auftragen, Farben, Formen
und Ausdruckweisen zu transformieren. Dann gibt es da noch meine gottgegebene Eigenschaft, ziemlich
exzentrisch zu sein. Das gibt mir die Fähigkeit, mich nicht nur für Kunst zu begeistern, sondern auch für andere
Aspekte des Lebens wie Zahntherapie, in einer Disko zu tanzen, die Schriftstellerei, Marathonlaufen und sogar mit
den Damen zu flirten. Alles mündet in ein bodenständiges Gefühl der Erfüllung eines wunderbaren Lebens,
gekennzeichnet von greifbarer Leistung und persönlicher Genugtuung. Ich bin ein "glücklicher" Künstler – aber das
tut meiner Arbeit nicht weh!

Alex: Sie sind beispielsweise vom Diskodoktor (Zahnarzt) zum digitalen Künstler geworden? 

Pygoya: Sie können sagen, daß ich immer der Rebell war, der Unruhestifter, das ungestüme Kind in der Familie.
Deshalb war es einfach, dem Status Quo, dem gesunden Menschenverstand und dem Risiko professionellen
Versagens dadurch zu begegnen, dass ich den Empfang meiner Zahnklinik als Diskothek tarnte, mit rotierenden
Lampen, lauter Musik und einem echten Diskjockey. Nachdem ich die Kritik und die Sensation des berühmten
Diskodoktors überlebt hatte, stellte es keine großartige persönliche Bedrohung dar, meine Pinsel fortzuwerfen und
mein Spiel am Computer zur "Kunst" zu erklären. Das Medium gab diesem Rebellen einen Grund, der sich bis zum
heutigen Tage, wie das Vernetzen mittels des Internet zeigte, zu einer globalen Kunstrevolution entwickelte, die
sich noch weiter entfalten wird. Die Historiker von morgen werden es richtig verstehen, während die heutigen noch
in der ungestümen Entwicklungsphase der digitalen Cyberkultur stecken.

Alex: Was ist Ihr Ziel? Wollen Sie, dass Ihre Kunst unsterblich wird und schließlich in den Museen ihre letzte
Ruhestatt findet?

Pygoya: Mein Ziel ist es, mit dem Computer so lange ich lebe Kunst zu erschaffen. Ja, eine lebenslange Affäre.
Ich kann nur hoffen, dass man an mich denken wird wegen meiner Arbeit, dem Medium zu einem
übereinstimmenden Ansehen zu verhelfen als bedeutsame Kunst der Cyberkultur des digitalen Zeitalters, eine
Kunst, die bereits im Internet zu Hause ist. Ob man sich an mich persönlich erinnern wird, ist nicht so wichtig. Wie
bei jedem Künstler liegt mir daran, dass mein Werk als relevant angesehen wird. Und was am wichtigsten ist: ich
hinterlasse eine Sammlung, die meine Gefühle und Äußerungen als arbeitender Künstler meiner Zeit lebendig erhält.

REZENSIONEN

Wir sehen in Pygoyas Panoramabildern Elemente der Abstraktion, wie sie sich im Kubismus, Expressionismus,
Fauvismus und im abstrakten Expressionismus manifestiert haben. Auf diese europäischen Wurzeln aufgepfropft
sind amerikanische dreidimensionale Weinarten.

Die Oberflächen sind überkrustet mit einer kristallinen Patina, die das Licht, das aus der Ferne auf diese
Oberflächen trifft, bricht und ausstrahlt. Diese Kombination von innerem und äußerem Licht paßt gut zu den
durchscheinenden Materialien dieser Relief-Wandbilder, die in der "Elektrono-Sphäre" unserer gemeinsamen
digitalen Wirklichkeit existieren.

Während die meisten Computerkünstler mit illustrativen und photo-realistischen Bildern beschäftigt sind, erforscht
Pygoya das innere Leben, in dem Träume, Visionen und Erinnerungen existieren, sich bewegen und atmen.

Diese Arbeiten der Cyberkunst haben ihr eigenes Leben. Künstler sind die mutigen Erforscher des Inneren der
menschlichen Psyche (Psyche bedeutet Seele). Dies sind also REALE, seelenerforschende, aufrichtige,
unbeschönigte Arbeiten! Die Seele des Künstlers offen dargelegt.

— Larry Lovett, MEd, Columbia University

 

Translated by Dr. Hans-Georg Türstig